Vier Modi in einer Woche – die Flyertour durch die Stadt Nebra endlich vollständig, ein ganzer Tag Workshop mit Profis aus der Kommunikationsbranche, die konstituierende Sitzung einer neuen Landesarbeitsgemeinschaft – und ab Donnerstag bewusst raus, ins Vogtland. Ein Rückblick auf KW 17.
Nach der dichten Woche zuvor folgt eine Woche mit anderem Charakter. Drei Tage konzentrierte Arbeit, dann Pause. Wer im April mit voller Drehzahl durchglüht, ist im September leer – und der 6. September ist das Ziel, nicht das Hindernis. Wahlkampf ist ein Marathon, kein Sprint. Wer das vergisst, hat verloren, bevor es ernst wird.
Konkret hieß das: die letzten Briefkästen in der Stadt Nebra abgehakt, ein ganzer Tag Lernen mit Profis aus der Werbe- und Kommunikationsbranche, die konstituierende Sitzung einer neuen Landesarbeitsgemeinschaft – und ab Donnerstagnachmittag bewusst raus aus dem Burgenlandkreis, um den Kopf wieder frei zu bekommen.
Montag Nachmittag – Stadt Nebra: Tour abgeschlossen
Der erste Termin der Woche ist gleichzeitig ein Abschluss. Am Montagnachmittag und -abend habe ich die letzten Briefkästen in der Stadt Nebra (Unstrut) abgearbeitet – nach mehreren Etappen über die letzten Wochen ist die Gemeinde damit vollständig abgeflyert. Großwangen, Nebra-Stadt, Reinsdorf, Wangen, Kleinwangen – jeder Ortsteil, jede Straße, jeder Briefkasten erreicht.
Das mag nüchtern klingen. Es bedeutet aber: Die Menschen in einer der ländlichsten Ecken meines Wahlkreises wissen nun zumindest, dass es einen Direktkandidaten gibt, der sich für sie zuständig fühlt. Ob sie ihre Stimme am Ende mir geben, ist eine andere Frage. Aber sichtbar gewesen zu sein, ist der erste Schritt – und in vielen kleinen Ortsteilen der einzige, den ein Kandidat innerhalb eines Wahlkampfes leisten kann.
Damit ist eine Gemeinde von vielen abgehakt. Der Plan steht: 33 Tour-Etappen, 123 Orte und Ortsteile. Eins nach dem anderen.
Montag Abend – Naumburg for Future
Am Abend dann die Bürgerinitiative „Naumburg for Future“ (N4F). Nach „Naumburg für Alle“ in der Vorwoche ist das die zweite Naumburger Initiative, in der ich mitarbeite – diesmal mit klimapolitischem Fokus.
N4F arbeitet an Themen wie kommunalem Klimaschutz, Verkehrswende vor Ort, Umsetzung von Klimaschutzbeschlüssen auf Stadtebene. Das ist die Sorte engagierter Bürgerarbeit, ohne die Klimapolitik nirgends ankäme. Die ganz großen Beschlüsse fallen in Berlin oder Brüssel – aber die konkrete Umsetzung passiert in den Stadträten, Kreistagen und Verkehrsausschüssen.
Für mich ist die Mitarbeit in solchen Initiativen kein „Wahlkampf-Tool“, sondern Teil meiner politischen Praxis seit Jahren. Bürgerinitiativen sind oft zugleich Frühwarnsystem und Werkstatt für politische Lösungen. Wer hier nicht zuhört, wird im Landtag wenig zu sagen haben, das mit der Wirklichkeit zu tun hat.
Dienstag ganztags – GWA-Workshop „Response-Ability“
Der Dienstag war komplett geblockt für einen ganztägigen Online-Workshop des GWA – des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen e. V. Titel: „Response-Ability. Unsere Kompetenz verpflichtet.“
Die Idee: Vertreter:innen führender Werbe- und Kommunikationsagenturen – Serviceplan, Jung von Matt, familie redlich, segmenta, Mindbox – bieten Abgeordneten, Kandidat:innen und Mitarbeiter:innen demokratischer Parteien einen kostenlosen Praxis-Workshop zu wirksamer politischer Kommunikation. Pro bono. Ausdrücklich als Beitrag zur Stärkung demokratischer Kräfte im Kampf gegen rechts.
Modul 1 – Themenmanagement im Wahlkampf
• Themen der politischen Kommunikation und Zielgruppenansprache, mit besonderem Blick auf den Unterschied zwischen Stadt und Land – Léonie Brandt (Jung von Matt)
• Praxisbeispiele und Diskussion – Jörg Ihlau (Serviceplan Group)
Modul 2 – TikTok im Wahlkampf
• Einführung TikTok – Pierre Engelmann (Mindbox)
• Politische Kommunikation auf TikTok – Prof. Christoph Bieber (Universität Duisburg-Essen, Forschungsprofessor am CAIS)
• Community Management und Umgang mit Hass und Desinformation – Pierre Engelmann (Mindbox)
Was ich mitnehme
Zur Einordnung: Die GWA-Mitgliedsagenturen leben sonst davon, dass Konzerne ihnen Etats für Kampagnen zahlen. Dass diese Profis ihre Zeit unentgeltlich für Demokratiearbeit einsetzen, ist bemerkenswert – und nötig. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass Wahlen heute noch über Plakate und Pressemitteilungen entschieden werden.
Inhaltlich war besonders die Stadt-Land-Differenzierung erhellend. In der politischen Kommunikation wird oft so gesprochen, als säße das gesamte Publikum in einer Großstadt. Im Burgenlandkreis ist das offensichtlich nicht der Fall. Wer Themen, Sprache und Bilder nicht anpasst, verfehlt einen großen Teil der Wählerschaft – nicht weil sie weniger interessiert wäre, sondern weil sie eine andere Lebensrealität hat.
Und: TikTok ist kein Spielzeug, sondern ein Schlachtfeld. Rechtsextreme sind dort längst gut organisiert, während Demokrat:innen oft noch zaghaft agieren. Wer das den Algorithmen überlässt, hat zugesehen, wie das Feld geräumt wurde. Konkrete Konsequenzen für meine eigene Arbeit ziehe ich daraus – einiges davon ist einen eigenen Blogartikel wert.
Dienstag Abend – Vorstandssitzung BO Naumburg/Wethautal
Direkt im Anschluss die Vorstandssitzung der Basisorganisation Naumburg/Wethautal. Lokale Wahlkampfkoordination, Plakatieren, Materialfragen, anstehende Aktionen. Kurz und konzentriert nach einem langen Tag vor dem Bildschirm.
Mittwoch Abend – LAG „Die Linke hilft!“ konstituiert sich
Am Mittwochabend dann die konstituierende Sitzung des Koordinierungsrates der Landesarbeitsgemeinschaft „Die Linke hilft!“ für Sachsen-Anhalt.
„Die Linke hilft!“ ist die soziale Selbsthilfeinfrastruktur unserer Partei – von Sozial- und Bürgergeldberatung über Mietrechtsbegleitung bis zu Lebensmittelausgaben in vielen Städten. Mit der jetzt gegründeten LAG bekommt diese Arbeit auf Landesebene erstmals eine koordinierte Struktur: Erfahrungsaustausch, gegenseitige Unterstützung, gemeinsame Standards.
Warum das wichtig ist: Eine Partei, die behauptet, für die ärmere Hälfte der Gesellschaft Politik zu machen, kann sich nicht damit begnügen, in Reden über den Sozialstaat zu sprechen. Sie muss konkrete Solidaritätsangebote schaffen – dort, wo der Sozialstaat versagt. Und davon gibt es genug Stellen. „Die Linke hilft!“ ist genau das. Konkret. Ohne große Worte.
Dass ich im Koordinierungsrat mitarbeite, hat zwei Gründe. Zum einen: Sozialpolitik ist eine meiner inhaltlichen Säulen – sie soll nicht nur Wahlkampfthema sein, sondern Praxis. Zum anderen: Was wir in dieser Struktur lernen, fließt direkt in die politische Arbeit zurück. Wer Menschen bei Bürgergeldwidersprüchen oder Wohngeldanträgen begleitet, weiß sehr genau, wo das System hakt – und kann das im Landtag konkreter benennen als jemand, der die Realität nur aus Statistiken kennt.
Donnerstag bis Sonntag – Vogtland: Kräfte sammeln
Ab Donnerstagnachmittag dann raus. Verlängertes Wochenende im Vogtland. Kein Wahlkampf, keine Termine, kein Kreistag.
Das erwähne ich hier bewusst, nicht als Entschuldigung. Wahlkampf ist ein Marathon. Wer den Frühling durchglüht, ohne mal Luft zu holen, ist im September leer. Pause ist kein Defizit, sondern die Voraussetzung dafür, dass die intensiven Phasen ab Mai überhaupt durchhaltbar sind. Die Idealvorstellung „der Kandidat fährt sieben Tage die Woche von acht bis Mitternacht durch und ist am Ende noch fit“ gibt es im echten Leben nicht. Wer das behauptet, lügt – sich selbst oder andere an.
Vogtland heißt für mich: Wandern, Hörbuch hören, schlafen, Zeit für die Familie, die im Wahlkampf ohnehin schon zu kurz kommt. Mehr braucht es nicht.
Fazit – vier Modi
Vier Modi in einer Woche: abschließen (Nebra), lernen (GWA-Workshop), aufbauen (LAG „Die Linke hilft!“), atmen (Vogtland). Das sind keine Gegensätze. Das ist der Rhythmus, in dem politische Arbeit über mehrere Monate funktioniert.
Ab heute wieder volle Drehzahl. Mai bringt die nächsten Tour-Etappen, weitere Termine, das eine oder andere geplante Sharepic-Projekt. Wer die Liste sehen will: Sie wächst.
Bis nächste Woche.
— Michael Scholz, Direktkandidat Die Linke, Wahlkreis 40 (Naumburg)