Eine Woche ohne Leerlauf: Demokratiekonferenz, ver.di-Präsidium, zwei Streiktage, Infostand in Naumburg, Flyern in Mertendorf, eine Schulung und am Ende eine Lesung. Sieben Termine, vier Modi. Rückblick auf KW 21.
Manche Wochen haben einen ruhigen Tag dazwischen. Diese nicht. Sie war von Montag bis Donnerstag Abend durchgetaktet, und sie hat die ganze Breite dessen abgebildet, was politische Arbeit im Wahlkampf bedeutet: Demokratie verteidigen, Gewerkschaft stützen, an Flyer verteilen und am Ende einen Raum für Kultur und politische Bildung offen halten.
Montag – Demokratiekonferenz des Burgenlandkreises
Die Woche begann mit der Demokratiekonferenz des Burgenlandkreises. Solche Konferenzen sind ein Format, in dem Verwaltung, Zivilgesellschaft, Vereine, Initiativen und Politik zusammenkommen, um über den Zustand und die Stärkung der Demokratie vor Ort zu beraten. Im Burgenlandkreis hat das eine besondere Dringlichkeit, weil die demokratischen Strukturen hier unter erheblichem Druck stehen – das hat nicht zuletzt der Vorfall an unserem Infostand vor wenigen Wochen gezeigt.
Ich nehme an solchen Konferenzen nicht teil, um dort als Kandidat aufzutreten, sondern um zuzuhören und mitzuarbeiten. Demokratie lebt nicht von Sonntagsreden, sondern von der oft mühsamen Arbeit der vielen, die sich vor Ort engagieren – in Vereinen, in der Jugendarbeit, in Beratungsstellen, in der Kultur. Wer diese Arbeit kennt, weiß, wie viel sie wert ist und wie wenig sie oft gesehen wird.
Dienstag – Präsidiumssitzung des ver.di-Bezirksvorstands Leipzig-Nordsachsen
Am Dienstag dann die Präsidiumssitzung des ver.di-Bezirksvorstands Leipzig-Nordsachsen, in dem ich ehrenamtlich mitarbeite. Das ist Gewerkschaftsarbeit hinter den Kulissen – nicht die sichtbare Demonstration, sondern die Gremienarbeit, in der Strategien besprochen, Tarifrunden begleitet und die Interessen der Mitglieder organisiert werden.
Was im Präsidium besprochen wird, bleibt im Präsidium. Aber der Punkt, den ich öffentlich machen will, ist ein grundsätzlicher: Gewerkschaftliche Stärke entsteht nicht spontan am Streiktag. Sie wird in genau solchen Sitzungen vorbereitet, Woche für Woche, von Menschen, die das neben ihrem eigentlichen Job machen. Der gut organisierte Streik in Potsdam vergangene Woche und die Streiks dieser Woche sind das sichtbare Ergebnis dieser unsichtbaren Arbeit.
Mittwoch – Streik in Zorbau, Infostand in Naumburg, Flyern in Mertendorf
Der Mittwoch war der dichteste Tag der Woche. Am Morgen stand ich beim Streik der Telekom-Beschäftigten in Zorbau – als Beschäftigter, nicht als Besucher. Wie schon in den Vorwochen gilt: Das ist meine Tarifrunde, mein Arbeitgeber, mein Lohn, über den verhandelt wird. Wer am Streikposten steht, weil es um den eigenen Arbeitsplatz geht, kennt einen Unterschied, den man von außen kaum nachvollziehen kann – und genau diesen Unterschied bringe ich in die Politik mit.
Ab 10 Uhr dann der Infostand der Linken auf dem Marktplatz in Naumburg. Nach dem Vorfall vor wenigen Wochen, bei dem unser Infostand von rechtsextremen Jugendlichen bedroht wurde, hatte dieser Stand eine besondere Bedeutung: Wir kommen wieder. Wir weichen nicht zurück. Genau das war die Botschaft, und genau so haben wir den Tag gestaltet – ruhig, gesprächsbereit, präsent.
Am Abend bin ich noch zum Flyern nach Mertendorf gefahren – die Gemeinde, in der ich bereits am vergangenen Wochenende unterwegs war. Manche Gemeinden brauchen mehr als einen Besuch, um alle Ortsteile zu erreichen. Briefkasten für Briefkasten, auch am Abend nach einem langen Tag.
Donnerstag – Streiktag, Schulung mit Emily Laqueur, Lesung im „Engel“
Der Donnerstag brachte den zweiten Streiktag der Woche. Danach wechselte der Tag von der Straße in den Bildungs- und Kulturraum – ein Wechsel, der für mich beispielhaft dafür ist, wie breit politische Arbeit aufgestellt sein muss.
Am Abend nahm ich an einer Schulung mit Emily Laqueur teil. Laqueur ist als Aktivistin und im Bereich politischer Kommunikation bekannt, und solche Schulungen sind Gold wert: Sie vermitteln das Handwerkszeug, mit dem demokratische Kräfte in der Auseinandersetzung mit rechten Narrativen bestehen können. Wer gegen gut organisierte Desinformation antreten will, muss die Mechanismen verstehen, nach denen sie funktioniert. Genau darum ging es.
Im Anschluss dann ein ganz anderer Ton: „Einfach lesen!“ im „Engel“ – Robert Weinkauf las aus „Mondflut“. Nach einer Woche voller Streik, Konferenz und Wahlkampf war dieser literarische Abend eine wohltuende Erinnerung daran, dass eine lebendige Demokratie auch Räume für Kultur, für Sprache, für das Zuhören braucht. Kultur ist kein Beiwerk zur Politik. Sie ist ein Teil dessen, was wir verteidigen.
Fazit – die ganze Breite in einer Woche
Beraten, streiken, klingeln, lesen – diese vier Modi zeigen, wie weit das Feld ist, auf dem sich politische Arbeit bewegt. Von der Demokratiekonferenz über die Gewerkschaftsgremien und die Streikposten bis zur Lesung im „Engel“ spannt sich ein Bogen, der dieselbe Grundhaltung trägt: Demokratie ist kein Zustand, den man hat, sondern eine Arbeit, die man tut – an vielen Orten gleichzeitig und oft, ohne dass es jemand sieht.
Es war eine anstrengende Woche, aber eine gute. Ab Montag geht es weiter. Bis dahin.
— Michael Scholz, Direktkandidat Die Linke, Wahlkreis 40 (Naumburg)