Wochenbericht KW 22: Streiken, tagen, plakatieren, stecken

Beitragsbild zum Wochenbericht KW 22 in den Markenfarben Burgund und Rot. Großer Schriftzug „KW 22", darunter die vier Modi „Streiken. Tagen. Plakatieren. Stecken." und die Auflistung „Streik vorm Stadion, Kreisvorstand, LAG, 20 Orte abgeflyert"

Eine Woche mit einem ironischen Streik vor dem Leipziger Stadion, Vorbereitungen für den Wahlkampfauftakt mit Bodo Ramelow – und einer Tour, die vom Feiertagsmorgen am Pfingstmontag bis zum Sonntagabend rund 20 Orte und Ortsteile des Wahlkreises 40 mit Flyern bedient hat. Rückblick auf KW 22.

Diese Woche war ungleich verteilt: Sie begann am Pfingstmontag mit einer frühen Flyer-Runde, ab Dienstag drehte das Tempo auf, und das Wochenende war ein einziger langer Tour-Block. Was zusammenhielt, was so unterschiedlich aussah, ist die einfache Beobachtung: Politik wirkt nicht durch einzelne Termine, sondern durch die Summe vieler – Streik, Gremienarbeit, Wahlkampf Logistik, Flyer im Briefkasten und Gespräche dort, wo sie zufällig entstehen.

Pfingstmontag früh – Flyern in Neuflemmingen, Prießnitz, Janisroda und Neidschütz

Die Woche begann mit einem Feiertag, der für mich keiner war. Am Pfingstmontag sind wir früh vor der Hitze los und haben vier Orte geflyert: Neuflemmingen, Prießnitz, Janisroda und Neidschütz. Vier Dörfer im näheren Umfeld von Naumburg, die sich an einem freien Vormittag in der Ruhe eines Feiertags besonders gut bedienen lassen. Briefkasten für Briefkasten.

Wahlkampf am Feiertag hat eine eigene Sorte Stille: kaum Verkehr, fast keine Menschen auf den Straßen, gelegentlich jemand im Vorgarten, mit dem sich ein kurzes Gespräch ergibt, wenn das Interesse da ist. Gerade in diesen ruhigen Momenten merkt man, wie viel an dieser Tour eigentlich Briefkastenarbeit ist und wie wenig spektakulärer Wahlkampf. Was es braucht, ist Geduld und das Verständnis, dass jeder einzelne Flyer im Briefkasten zählt – auch wenn kein Mensch zu sehen war, der ihn entgegengenommen hat.

Diese vier Orte waren der Auftakt einer Woche, die in Summe rund 20 Orte und Ortsteile des Wahlkreises auf die Karte der erledigten Etappen gebracht hat. Damit ist die Tour durch alle 123 Orte ein gutes Stück vorangekommen.

Dienstag – Telekom-Streik vor dem Stadion in Leipzig

Die Woche begann mit einem Streik, der eine besondere Adresse hatte: Wir standen vor dem Stadion in Leipzig. Das ist nicht zufällig gewählt. Die WM 2026 steht vor der Tür, und MagentaTV – der Bezahl-Sender im Telekom-Konzern – überträgt mehrere Spiele exklusiv. Ein Streik der Telekom-Beschäftigten ausgerechnet vor einem Fußballstadion ist ein eher deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Die Botschaft an den Arbeitgeber: Wer im Sommer die WM-Übertragungen verlässlich sehen will, sollte vorher mit seinen Beschäftigten einen anständigen Tarifabschluss verhandeln.

Solche taktischen Ortswahlen sind kein Marketing-Trick, sondern handwerkliche Streiktaktik. Sie zeigen, wo der Hebel sitzt. Wer als Arbeitgeber Premium-Inhalte verkauft, kann sich keinen Streikvorlauf in die WM-Saison hinein leisten – und genau diese Logik macht sich ver.di an dieser Stelle zunutze. Wieder einmal: gut organisiert, klar in der Botschaft, ohne Theatralik.

Wie schon in den Vorwochen gilt: Zu den konkreten Verhandlungsständen halte ich mich weiterhin öffentlich zurück. Verhandlungen werden nicht über Blogartikel geführt.

Dienstagabend – Sitzung des Kreisvorstands

Direkt im Anschluss an den Streiktag tagte am Abend der Kreisvorstand der Linken im Burgenlandkreis. Das ist die Sorte Vereinsarbeit, die selten in Wochenberichten auftaucht und doch der eigentliche Motor jedes Wahlkampfs ist: Wer welche Termine übernimmt, wie wir uns aufstellen, wo die nächsten Standorte für Infostände liegen, welche Materialien wir noch brauchen. Die Details bleiben im Vorstand. Aber soviel sei gesagt: Es war eine produktive Sitzung, in der vieles geklärt wurde.

Mittwochabend – Boblas und Punkewitz, dann Plakatieren mit Jan

Vor dem eigentlichen Plakatier-Termin haben wir am Mittwochabend noch zwei weitere Orte geflyert: Boblas und Punkewitz. 

Danach war ich mit Jan unterwegs zum Plakatieren. Wir hängen die Plakate für den Wahlkampfauftakt im Burgenlandkreis am 5. Juni, zu dem Bodo Ramelow zu uns kommt. Der ehemalige Thüringer Ministerpräsident ist ein klassischer Linken-Politiker, der die Verbindung zur Lebenswirklichkeit im Osten nie verloren hat – ein Auftritt, auf den ich mich ehrlich freue und der unserem Wahlkampf im Burgenlandkreis sichtbar Gewicht gibt.

Plakatieren ist die unsexyste, aber notwendigste Arbeit im Wahlkampf. Wer abends auf der Leiter steht, Plakate ausrichtet, Kabelbinder zuzieht und am Ende doch noch eine Stelle findet, an der die Genehmigung fehlt, weiß: Der Wahlkampf besteht zu großen Teilen aus genau dieser Sorte unsichtbarer Arbeit. Danke an Jan, dass er an einem Mittwochabend mit anpackt.

Donnerstag – Sitzung der LAG „Die Linke hilft!“

Am Donnerstag tagte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) „Die Linke hilft!“ – das landesweite Format zur Sozialberatung, das sich Ende April konstituiert hatte. Inzwischen hat es Struktur gewonnen und arbeitet konkret an Konzepten, Abläufen und Werbestrategien für die regionalen Sprechstunden. 

Ich musste die Sitzung früher verlassen, weil kurzfristig parallel ein ver.di-Termin zur Verhandlungsrunde lag. Solche Termin-Kollisionen sind in dieser Phase keine Ausnahme, sondern die Regel. Wer beides ernst nimmt – Partei und Gewerkschaft -, kommt um solche Doppelbuchungen nicht herum.

Freitag – Flyern in Hassenhausen, Punschrau und Fränkenau

Der Freitagabend eröffnete den Flyer-Marathon des Wochenendes. Drei Orte standen auf dem Programm: Hassenhausen, Punschrau und Fränkenau. Alle drei klein, alle drei am Rand des Wahlkreises, alle drei Orte, an denen ein Direktkandidat aus dem Burgenlandkreis nicht automatisch erwartet wird.

Das Bild wiederholt sich, seit ich die Tour begonnen habe: In den ganz kleinen Ortsteilen ist man am Briefkasten oft die einzige politische Präsenz seit Wochen. Wer dort vorbeikommt, wird wahrgenommen – auch wenn keine Tür sich öffnet. Manchmal ist genau das der Punkt: Präsenz zeigen, ohne Aufdringlichkeit.

Samstag – Mit Verstärkung aus Leipzig durch die Stadt Osterfeld

Am Samstag war ich nicht allein mit meiner Frau unterwegs. Liebe Unterstützung aus Leipzig war angereist – mein Schwager und seine Frau, die ihren freien Tag mit einer Flyer-Tour durch den Burgenlandkreis verbracht haben. Das macht einen großen praktischen Unterschied: Zu zweit oder zu viert schafft man an einem Vormittag, wofür man allein einen ganzen Tag bräuchte. Und einen ebenso großen menschlichen: Eine Tour durch zwei oder drei ländliche Ortsteile kann einsam werden; eine Tour gemeinsam mit Verbündeten ist eine andere Sache.

Wir haben die Stadt Osterfeld bearbeitet und ihre Ortsteile: Weickelsdorf, Roda, Kleinhelmsdorf, Goldschau, Waldau und Haardorf. Sieben Ortsteile an einem Tag. Jeder mit eigenem Charakter, jeder ein eigener kleiner Kosmos. Wer denkt, der Burgenlandkreis sei ein gleichförmig ländlicher Raum, irrt: Zwischen einem 60-Einwohner-Dorf und einem 500-Einwohner-Ortsteil liegen Welten, was Infrastruktur, Vereinsleben und politische Stimmung angeht. Das lernt man nur, wenn man hinfährt.

Danke an die Leipziger Verstärkung. Wer freiwillig den Samstag im ländlichen Sachsen-Anhalt verbringt, um einem Direktkandidaten beim Briefkasten-Bestücken zu helfen, hat diese Erwähnung verdient.

Sonntag – Reste Osterfeld und Mertendorf-Ortsteile

Der Sonntag war der dritte und letzte Tag der Flyer-Tour. Ich habe mit meiner Frau die letzten Straßen von Osterfeld erledigt und dann den noch offenen Ortsteilen der Gemeinde Mertendorf gewidmet: Rathewitz, Droitzen, Scheiplitz und Görschen. Vier weitere Orte abgehakt.

Mertendorf hatte ich schon in KW 20 und KW 21 begonnen – aber Gemeinden mit vielen Ortsteilen lassen sich an einem Wochenende kaum vollständig erschließen. Es ist ein iterativer Prozess: hinkommen, so viel wie möglich schaffen, beim nächsten Mal weitermachen. Mit dem Sonntag ist Mertendorf jetzt abgehakt.

Insgesamt habe ich in dieser Woche 20 Orte und Ortsteile des Wahlkreises 40 besucht – von der frühen Runde am Montag in Neuflemmingen, Prießnitz, Janisroda und Neidschütz über die Zwischenetappe am Mittwoch in Boblas und Punkewitz bis zum großen Block am Wochenende. Das ist eine der produktivsten Etappen der Tour bisher – und ein wichtiger Schritt in Richtung der angestrebten Vollständigkeit über alle 123 Orte des Wahlkreises hinweg.

Fazit – Streik, Strukturen und Ortseingangsschilder

Diese Woche zeigte, wie unterschiedlich politische Arbeit in einem einzigen Sieben-Tage-Fenster aussehen kann. Vom symbolisch aufgeladenen Streik vor dem Stadion bis zum stillen Briefkasten an einer Dorfstraße in Kleinhelmsdorf – das ist dieselbe Politik, nur in sehr verschiedenen Formaten. Wer eines der Formate vernachlässigt, hat das Ganze nicht verstanden.

Die kommende Woche bringt den Wahlkampfauftakt mit Bodo Ramelow am 5. Juni – der bisher größte Linke-Termin des Wahlkampfs im Burgenlandkreis. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun, vor allem an Plakaten und an Vorbereitung der Veranstaltung. Aber das gehört in den nächsten Wochenbericht.

Bis dahin.

— Michael Scholz, Direktkandidat Die Linke, Wahlkreis 40 (Naumburg)