Eine Woche, die mit 2.500 Streikenden vor dem Verhandlungsort in Potsdam begann und mit dem Flyern in den Dörfern der Gemeinde Mertendorf endete. Dazwischen Vereinsarbeit und drei Tage Urlaub. Rückblick auf KW 20.
Montag – Potsdam: 2.500 Beschäftigte vor dem Verhandlungsort
Am Montag der vorerst größte Streiktag in dieser Tarifrunde. Die Telekom-Verhandlungen für die Beschäftigtenden fanden am Montag und Dienstag in Potsdam statt, und der ver.di hatte zu einer zentralen Kundgebung vor dem Verhandlungsort gerufen. Aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin kamen wir zusammen – nach Schätzung der Veranstalter rund 2.500 Beschäftigte.
Ich bin gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Leipzig angereist. Wir haben uns früh am Morgen getroffen, sind zusammen mit mehreren Bussen gefahren und haben den Tag gemeinsam vor dem Verhandlungsort verbracht. Wer schon einmal an einer großen gewerkschaftlichen Versammlung teilgenommen hat, kennt das Gefühl: Man ist auf einmal nicht mehr der einzelne Beschäftigte mit dem einzelnen Problem, sondern Teil von etwas, das sehr viel größer ist als der eigene Arbeitsplatz. Das ist kein abstraktes Pathos – das ist der konkrete Effekt, den ein gut organisierter Streik auf seine Teilnehmenden hat. Und es ist der eigentliche Hebel, der eine Tarifrunde überhaupt in Bewegung bringt.
Was mir an diesem Tag besonders aufgefallen ist: die handwerkliche Qualität der Veranstaltung. 2.500 Menschen aus sechs Bundesländern an einen Ort zu bringen, sie dort zu versorgen, ihnen ein Programm zu bieten, sie sicher zurückzuschicken – das ist eine logistische Leistung, die ver.di perfekt organisiert hat. Vom Bühnenaufbau über die Verpflegung bis zur akustischen Abdeckung des Versammlungsplatzes hat alles funktioniert. Solche Tage sehen für die Teilnehmenden aus wie selbstverständlich. Sie sind es nicht. Sie sind das Ergebnis perfekter Vorbereitung von Hauptamtlichen und ehrenamtlich Aktiven, die dafür Lob verdient haben, das hier ausdrücklich gesagt wird.
Zu den Inhalten der Tarifrunde halte ich mich öffentlich weiterhin zurück. Verhandlungen werden nicht über Blogartikel geführt. Wer mehr wissen will, findet die offiziellen Verhandlungsstände und ver.di-Mitteilungen auf den entsprechenden Kanälen.
Dienstag – Arbeit und Vorstandssitzung im Gartenverein
Am Dienstag wieder ein normaler Arbeitstag, am Abend Vorstandssitzung im Gartenverein. Das ist die Sorte ehrenamtlicher Arbeit, die selten in Wochenberichten auftaucht – und genau deshalb erwähne ich sie hier. Vereine sind ein wesentlicher Teil dessen, was Gesellschaft im ländlichen Raum zusammenhält. Wer dort mitarbeitet, lernt schnell, wie unterschiedlich die Sorgen der Menschen vor Ort gelagert sind – und wie viel davon mit Politik zu tun hat, ohne dass es auf den ersten Blick danach aussieht.
Was im Vorstand besprochen wird, gehört in den Verein und nicht in den Blog.
Mittwoch bis Freitag – Urlaub
Drei Tage Urlaub. Das ist alles, was zu diesem Block zu sagen ist. Wer im September 2026 in den Landtag einziehen will, muss bis September 2026 die Drehzahl halten – und das geht nur mit eingebauten Pausen. Diese drei Tage waren genau so eine Pause. Nichts Spektakuläres, kein langes Wochenende mit großen Plänen, einfach drei Tage frei und gute Freund besuchen.
Samstag und Sonntag – Flyern in der Gemeinde Mertendorf
Am Wochenende zurück in die Tour. Die Gemeinde Mertendorf liegt am südlichen Rand des Burgenlandkreises, mit mehreren Ortsteilen, in denen ich an diesen beiden Tagen unterwegs war. Wie immer Briefkasten für Briefkasten, Haus für Haus. Einige kurze Gespräche an Vorgärten ergaben sich, die meiste Zeit war ruhige, methodische Arbeit.
Mertendorf gehört wie schon Meineweh vor zwei Wochen zu den Gemeinden, in denen ein Direktkandidat nicht erwartet wird. Genau deshalb fahre ich dorthin. Die Tour durch alle 123 Orte und Ortsteile des Wahlkreises 40 wächst Etappe um Etappe; an diesem Wochenende habe ich wieder mehrere abgehakt.
Eine Beobachtung am Rande, die zur Tour gehört: Je weiter ich in den ländlichen Raum komme, desto seltener trifft man auf Wahlkampfaktivität anderer Parteien. Das ist eine Lücke, die etablierte Demokratie sich nicht leisten kann – denn die einzige Partei, die in diesen Dörfern systematisch präsent ist, ist meistens die AfD. Wer dort gar nicht erscheint, überlässt das Feld kampflos. Das ist einer der Gründe, warum diese Tour kein Marketing-Stunt ist, sondern Pflichtarbeit für eine Partei, die ländliche Räume ernst nimmt.
Fazit – die Linien der Woche
Vier Modi, vier sehr unterschiedliche Tonarten: vom kollektiven Auflaufen in Potsdam über die kleine Sortierungsarbeit im Gartenverein, drei stille Tage Urlaub bis zu den Haustüren in Mertendorf. Was diese Modi verbindet, ist nicht das gemeinsame Thema, sondern die Haltung dahinter: jede dieser Tätigkeiten ist Teil dessen, was politische Arbeit über Monate hinweg durchhaltbar macht. Wer alle vier ausblendet zugunsten einer einzigen, verliert irgendwann die Balance.
Ab Montag wieder volle Drehzahl. Die kommende Woche bringt weitere Etappen der Tour und – wenn die Tarifrunde es will – möglicherweise den nächsten Streiktag. Wir werden sehen.
Bis dahin.
— Michael Scholz, Direktkandidat Die Linke, Wahlkreis 40 (Naumburg)