Demokratisches Wohnzimmer auf dem Marktplatz: Naumburg setzt Zeichen gegen Rassismus

Datum: 21. März 2026


Heute ist Internationaler Tag gegen Rassismus. Nicht irgendein Aktionstag, nicht irgendein Hashtag — sondern ein Tag, der uns daran erinnert, dass Rassismus kein Problem anderer Leute ist. Er passiert hier. In unserem Alltag. In unserer Stadt.

Deshalb war ich heute auf dem Naumburger Marktplatz — zusammen mit der Initiative Naumburg für Alle. Wir haben unser Demokratisches Wohnzimmer aufgebaut: Ein orangefarbenes Sofa, Klappstühle, ein gepunkteter Teppich — mitten auf dem Kopfsteinpflaster, zwischen historischen Fassaden und Straßenlaternen. Ein Wohnzimmer, das sagt: Setzt euch. Redet mit uns. Ihr seid willkommen.

Alltagsrassismus sichtbar machen

Xenia hatte ein Quiz vorbereitet, bei dem Passantinnen und Passanten ihr Wissen über Alltagsrassismus testen konnten. Alltagsrassismus — das sind nicht die großen Schlagzeilen. Das sind die Momente, die viele gar nicht bemerken, weil sie nicht selbst betroffen sind. Der Blick im Bus. Die Frage „Wo kommst du wirklich her?“. Die automatische Annahme, dass jemand kein Deutsch spricht.

Das Quiz hat genau das geschafft, was es sollte: Ins Gespräch kommen. Nachdenken. Sich unbequemen Fragen stellen — in einem Rahmen, der niedrigschwellig und einladend war. Keine erhobenen Zeigefinger, sondern ehrliches Interesse.

Vielfalt zum Anfassen

Direkt neben dem Wohnzimmer stand ein langer Tisch mit einer großen Papierrolle, Farbtöpfen und Pinseln. Die Malecke für Kinder. Was dort im Laufe des Vormittags entstanden ist, war ein buntes, wildes, fröhliches Gemeinschaftswerk: Blumen, Herzen, abstrakte Formen in Blau, Rot, Gelb und Grün. Ein Bild, das ohne Worte zeigt, was Vielfalt bedeutet — nämlich Reichtum, nicht Bedrohung.

Und dann war da noch Jürgen Perl, der mit seiner Gitarre für Live-Musik gesorgt hat. Wer einmal auf dem Naumburger Marktplatz gestanden und Jürgen singen gehört hat, weiß: Das macht gute Laune. Auch bei bewölktem Himmel.

Warum das politisch ist

Man könnte sagen: Ein Sofa auf dem Marktplatz, ein Quiz und eine Malecke — ist das wirklich Politik? Ja. Und zwar die wichtigste Art von Politik.

Denn Rassismus bekämpft man nicht nur mit Gesetzen und Programmen. Man bekämpft ihn, indem man Räume schafft, in denen Menschen sich begegnen. In denen Fragen gestellt werden dürfen. In denen Kinder ein Bild malen, das bunter ist als jede Sonntagsrede.

Als Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 40 Naumburg sage ich: Eine offene, solidarische Gesellschaft fällt nicht vom Himmel. Sie muss gelebt werden — auf dem Marktplatz, in der Nachbarschaft, im Alltag. Jeden Tag, nicht nur am 21. März.

Danke

Danke an Naumburg für Alle für die Organisation dieses Nachmittags. Danke an Xenia für das Quiz. Danke an Jürgen Perl für die Musik. Und danke an alle, die heute vorbeigekommen sind, sich aufs Sofa gesetzt haben und miteinander ins Gespräch gekommen sind.

Das ist es, was Demokratie im besten Sinne bedeutet: Ein Wohnzimmer, das allen gehört.

— Michael Scholz, Direktkandidat Die Linke, Wahlkreis 40 (Burgenlandkreis)