Mein Wochenrückblick: Wahlkampf im Burgenlandkreis, KW 15
Es gibt Wochen, in denen man am Schreibtisch sitzt und Strategiepapiere schreibt. Und es gibt Wochen, in denen man rausgeht. Diese Woche war eine Rausgehwoche. Drei Tage Flyern in der Gemeinde Molauer Land, Freitag Demo in Halle, Samstag weiter nach Nebra. Hier ist, was passiert ist.
Dienstag bis Donnerstag: 11 Orte in 3 Tagen – Gemeinde Molauer Land

Am Dienstag habe ich angefangen. Leislau, Abtlöbnitz, Mollschütz, Kleingestewitz, Crauschwitz – fünf Orte an einem Nachmittag. Am Mittwoch ging es weiter: Sieglitz, Molau, Aue. Und am Donnerstag die letzten drei: Casekirchen, Köckenitzsch, Seidewitz. Elf Orte, drei Tage, eine Gemeinde – komplett.
Was heißt „komplett“? Es heißt: In jedem einzelnen Ort war ich persönlich. Jeder Briefkasten, ohne Bitte keine Werbung Aufkleber, hat einen Flyer bekommen. Nicht per Post, sondern von Hand eingeworfen. Von Tür zu Tür, von Straße zu Straße.
Manche dieser Dörfer haben ein paar Dutzend Einwohner. Da kommt im Wahlkampf normalerweise niemand vorbei. Kein Infostand, kein Plakat, kein Kandidat. Genau deshalb bin ich dort: Weil die Menschen auch im kleinsten Ort verdienen, dass jemand hingeht.
Was mir aufgefallen ist: Die Ruhe. Kaum Verkehr, keine Straßenbahn, kein Bus. Wer hier kein Auto hat, kommt nicht weg. Das ist kein Klischee – das ist Alltag im ländlichen Raum. Und es ist einer der Gründe, warum ÖPNV für mich kein Randthema ist, sondern eine Frage der Daseinsvorsorge.
Das Molauer Land ist die erste von 33 Gemeinden und Städten im Wahlkreis 40. Elf von 123 Orten. Ich habe vor, bis zur Wahl am 6. September jeden einzelnen zu besuchen. Jeder Ort bekommt seinen eigenen Besuch – keine Stichproben, kein „da fahren wir mal durch“.
Freitag: „Es reicht!“ – Demo gegen digitale und sexualisierte Gewalt in Halle
Am Freitagmittag bin ich nach Halle gefahren. Auf dem Marktplatz fand die Kundgebung „Es reicht! – Sexualisierte & digitalisierte Gewalt stoppen“ statt. Rund 270 Menschen waren laut Polizei dabei.
Die Demo war Teil einer bundesweiten Bewegung, die durch den Fall Collien Fernandes ausgelöst wurde: Pornografische Deepfake-Inhalte, in denen ihr Gesicht ohne Einwilligung in manipulierte Videos eingefügt wurde. In Berlin gingen 13.000 Menschen auf die Straße, in Hamburg 17.000. In Halle waren es weniger – aber die Reden waren nicht weniger eindrücklich.
Als Data Scientist beschäftige ich mich beruflich mit Künstlicher Intelligenz. Deepfakes sind die dunkle Seite dieser Technologie: KI-Systeme, die ohne Zustimmung Bilder von Menschen in pornografische Inhalte verwandeln. Das ist keine abstrakte Zukunftssorge. Das passiert jetzt, und es trifft vor allem Frauen und Mädchen.
Genau deshalb habe ich für das Wahlprogramm der Linken in Sachsen-Anhalt einen Änderungsantrag eingebracht, der eine verpflichtende KI-Folgenabschätzung fordert – bevor KI-Systeme in der öffentlichen Verwaltung oder im öffentlichen Raum eingesetzt werden. Transparenz, Kontrolle, menschliche Aufsicht. Das gilt für Algorithmen in der Sozialverwaltung genauso wie für die Frage, wie wir als Gesellschaft mit Deepfakes umgehen.
Die Forderungen der Demo – Strafbarkeit von Deepfakes, Verbot von Nudify-Apps, besserer Opferschutz – sind Bundesrecht. Aber die Landespolitik ist nicht machtlos: Sachsen-Anhalt kann bei der Prävention, bei Beratungsstellen und bei der digitalen Bildung ansetzen. Das ist Landeskompetenz. Und das werde ich im Landtag einfordern.
Samstag: Weiter geht’s – Flyern in Nebra und Kleinwangen
Samstag dann die nächste Gemeinde: Nebra an der Unstrut. Angefangen habe ich in der Stadt Nebra selbst und in Kleinwangen. Nebra ist größer als die Dörfer im Molauer Land – hier brauche ich mehr als einen Nachmittag. Die Gemeinde ist noch nicht fertig, ich komme wieder.
Was mich antreibt: Jeder Flyer, den ich einwerfe, ist ein Signal. Nicht nur „Hier kandidiert jemand“, sondern: „Hier kommt jemand vorbei. Hier hört jemand zu.“ Gerade in Zeiten, in denen sich viele Menschen von der Politik abgewandt haben, ist dieses Signal wichtig. Es kostet Zeit und Schuhsohlen. Aber es ist der ehrlichste Wahlkampf, den ich kenne.
Wie es weitergeht

Nach dieser Woche stehen 13 Orte auf der Liste: 11 im Molauer Land (komplett), 2 in der Gemeinde Nebra (Nebra und Kleinwangen). 110 von 123 fehlen noch. Die nächsten Touren sind geplant – der Canvassing-Plan steht, die Flyer sind gedruckt, die Schuhe geschnürt.
Parallel geht es auf meinen Social-Media-Kanälen wieder los – nach einer bewussten Pause. In den kommenden Wochen erwarten euch Beiträge zu ÖPNV in Sachsen-Anhalt, Krankenhausplanung im Burgenlandkreis, KI in der Landesverwaltung und Gewerkschaftsarbeit. Alles Themen, die der Landtag entscheiden kann.
Und wenn ihr mich in eurem Ort sehen wollt: Schreibt mir. Ich komme sowieso – aber wenn ihr da seid, unterhalten wir uns.
– Michael Scholz, Direktkandidat Die Linke, Wahlkreis 40 Naumburg