Blumen reichen nicht – Warum der 8. März mehr sein muss als eine Geste

Zum Internationalen Frauentag 2026: Was sich in Sachsen-Anhalt ändern muss

Gestern standen wir auf dem Naumburger Marktplatz und haben Blumen verteilt. An Frauen, die dieses Land jeden Tag am Laufen halten. An Krankenschwestern, Erzieherinnen, Verkäuferinnen, Pflegerinnen, Alleinerziehende. Es war ein schöner Moment. Viele haben sich gefreut. Einige haben erzählt, wie selten sie für ihre Arbeit Anerkennung bekommen.

Aber ich wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde: Blumen reichen.

Der Internationale Frauentag ist kein Feiertag für Blumensträuße und nette Worte. Er ist ein Kampftag. Erklämpft von Frauen, die vor über hundert Jahren für das Wahlrecht, für Arbeitsschutz und für Gleichberechtigung auf die Straße gegangen sind. Und er ist – leider – auch 2026 noch bitter notwendig.

Die Lage in Sachsen-Anhalt: Gleichstellung ist Theorie

Wer sich die Zahlen anschaut, sieht schnell: Von echter Gleichstellung sind wir weit entfernt. Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt weniger als Männer – bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeit. In Sachsen-Anhalt sind die Löhne insgesamt niedriger, was die Lohnlücke für Frauen besonders schmerzhaft macht. Wer wenig verdient und davon noch weniger bekommt, spürt jeden Cent.

Frauen arbeiten überproportional häufig in Care-Berufen: Pflege, Erziehung, Sozialarbeit. Berufe, ohne die unsere Gesellschaft nicht funktionieren würde. Berufe, die trotzdem systematisch unterbezahlt sind. Eine Erzieherin in Sachsen-Anhalt verdient nach Jahren im Beruf weniger als ein Berufseinsteiger in vielen Industriebranchen. Das ist kein Naturgesetz. Das ist politisches Versagen.

Hinzu kommt die Teilzeit-Falle: Wenn Kitaplätze fehlen oder die Ganztagsbetreuung nicht gesichert ist, bleiben Frauen zu Hause. Nicht freiwillig, sondern weil es keine Alternative gibt. Die Konsequenzen sind dramatisch: weniger Einkommen, weniger Rentenanspruch, höheres Armutsrisiko im Alter.

Und dann ist da das Thema Gewaltschutz. In Sachsen-Anhalt fehlen Plätze in Frauenhäusern. Beratungsstellen arbeiten am Limit. Frauen, die Schutz vor Gewalt suchen, werden abgewiesen – nicht weil ihnen nicht geholfen werden soll, sondern weil die Kapazitäten nicht da sind. Das ist ein Skandal, über den viel zu wenig gesprochen wird.

Was mir gestern auf dem Marktplatz erzählt wurde

Gestern auf dem Naumburger Marktplatz habe ich Geschichten gehört, die das alles greifbar machen. Eine Frau erzählte mir, dass sie seit über zwanzig Jahren in der Pflege arbeitet und trotzdem jeden Monat rechnen muss. Eine junge Mutter berichtete, dass sie gerne Vollzeit arbeiten würde – aber der Kitaplatz fehlt. Eine ältere Dame sagte mir, sie habe ihr ganzes Leben gearbeitet und bekomme jetzt eine Rente, von der sie kaum leben kann.

Das sind keine Einzelfälle. Das sind Strukturen. Strukturen, die man ändern kann – wenn man es politisch will.

Was sich ändern muss – unsere Forderungen

Als Direktkandidat der Linken im Burgenlandkreis sage ich klar: Gleichstellung ist kein Luxusthema. Sie ist Grundrecht. Und sie braucht konkrete politische Entscheidungen:

• Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – verbindlich durchgesetzt, nicht als freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Wir brauchen ein Entgeltgleichheitsgesetz mit echten Sanktionen.

• Aufwertung von Care-Berufen – bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal. Pflege, Erziehung und Sozialarbeit müssen endlich so bezahlt werden, wie sie es verdienen.

• Flächendeckende, kostenfreie Kitaplätze und Ganztagsbetreuung – damit Frauen nicht zwischen Kind und Karriere wählen müssen. Das ist keine Frauenforderung. Das ist eine Gesellschaftsforderung.

• Vollfinanzierung von Frauenhäusern und Beratungsstellen – jede Frau, die Schutz sucht, muss ihn bekommen. Sofort. Überall.

• Alleinerziehende stärken – in der Steuerpolitik, beim Wohngeld, bei der Rente. Wer die doppelte Last trägt, darf nicht auch noch steuerlich bestraft werden.

• Rente, die zum Leben reicht – gerade für Frauen, die jahrzehntelang in Teilzeit und schlecht bezahlten Berufen gearbeitet haben. Altersarmut ist weiblich – und das müssen wir ändern.

Blumen und Politik

Ja, wir haben gestern Blumen verteilt. Und ja, die Freude darüber war echt. Aber ich will, dass Frauen nicht nur einmal im Jahr Blumen bekommen – sondern jeden Tag die Anerkennung, die ihnen zusteht. Nicht als Geste. Sondern als Politik.

Gleichstellung ist kein Frauenthema. Sie ist eine Frage der Gerechtigkeit. Und Gerechtigkeit ist der Kern dessen, wofür Die Linke steht.

Danke an alle Frauen, die gestern auf dem Naumburger Marktplatz mit uns gesprochen haben. Eure Geschichten trage ich mit – in den Wahlkampf und darüber hinaus.

– Michael Scholz, Direktkandidat Die Linke, Wahlkreis 40 (Naumburg)