Ich pendele regelmäßig mit dem Zug von Naumburg nach Leipzig. Auf dem Weg zum Bahnhof sehe ich jeden Morgen die Preistafeln der Tankstellen: Diesel über 2,10 Euro, Super E10 knapp unter zwei Euro. Ich selbst fahre Bahn – aber die meisten Menschen im Burgenlandkreis haben diese Wahl nicht. Wer hier auf dem Land lebt, ist aufs Auto angewiesen. Für Pendler mit dem PKW sind das über 100 Euro mehr im Monat.
Die Erklärung der Mineralölkonzerne: Der Krieg treibt die Ölpreise. Das stimmt – aber es ist nur die halbe Wahrheit.
Der Ökonom Johannes Schwanitz hat nachgerechnet: Rohöl der Sorte Brent hat sich seit Kriegsbeginn umgerechnet um etwa 8 Cent pro Liter verteuert. Der Preis für Super E5 an deutschen Tankstellen stieg aber um 17 Cent – netto fast das Doppelte dessen, was der höhere Einkaufspreis rechtfertigt. Beim Diesel ist es noch extremer: 30 Cent Preisanstieg bei nur 8 Cent höheren Rohstoffkosten.
Das ist keine Marktwirtschaft. Das ist Krisengewinnlertum. Selbst die Tankstellenbetreiber nennen es „Abzocke“ und „Raubtierkapitalismus“ – weil sie die Preise nicht selbst machen, aber den Frust der Kunden abbekommen.
Und die Ursache dieser Krise? Ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg im Iran, getrieben von Trump und Netanjahu. Ein Krieg, der die Straße von Hormus – durch die 20 Prozent des weltweiten Rohöls transportiert werden – faktisch blockiert. Die Zeche zahlen nicht die Kriegstreiber. Die Zeche zahlen wir – an der Zapfsäule, an der Heizölrechnung, an der Supermarktkasse.
Die Bundesregierung diskutiert über Kartellprüfungen und Tankrabatte. Kartellprüfungen, die nach Einschätzung der Branche selbst nichts ergeben werden. Und Tankrabatte, die 2022 vor allem den Konzernen genutzt haben.
Was stattdessen nötig wäre:
✔️ Eine Übergewinnsteuer auf Krisengewinne der Mineralölkonzerne – wie es Die Linke fordert: Krisengewinne müssen zu Krisenentlastung werden.
✔️ Preisdeckel statt Tankrabatt – die Konzerne begrenzen, nicht subventionieren.
✔️ Maximal eine Preiserhöhung pro Tag – nach österreichischem Vorbild.
✔️ Diplomatische Offensive statt Waffenlieferungen – dieser Krieg muss enden, nicht eskalieren.
Ich habe das Glück, mit dem Zug pendeln zu können. Aber im Burgenlandkreis sind Zehntausende aufs Auto angewiesen – weil der ÖPNV es nicht hergibt. Als Gewerkschafter weiß ich, dass es die Geringverdiener und Familien auf dem Land am härtesten trifft. Und als Direktkandidat sage ich: Wir dürfen nicht zulassen, dass Konzerne aus Krieg und Leid Profit schlagen.